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Die sogenannten Weißwasseraner

Um 1910 bis etwa 1940

Von Bernd-Ingo Friedrich


Bis zur Aktualisierung dieses Artikels kann es noch etwas dauern, aber fest steht inzwischen:
Die sogenannten „Weißwasseraner“ kommen aus „Schiebock“, also aus Bischofswerda ...



Die „Weißwasseraner“ haben einen charakteristischen Aufbau: In ihrem Inneren befindet sich am Boden ein mehr oder weniger hoher, zylindrischer Sockel aus bunten Glassplittern. Darüber wölbt sich ein Netz aus gleichmäßig angeordneten, kleinen Bläschen, eine sogenannte Blasenglocke, über der waagerecht ein Ornament schwebt. Meist besteht dieses aus kranzförmig angeordneten Blättern und Blüten, das Initialen, Personen- oder Städtenamen; Symbole, Widmungen, Geburtstags-, Hochzeits- oder Jubiläumswünsche und Ähnliches mit oder ohne Jahreszahlen einschließt. Die Buchstaben sind weiß und glitzern silbern. Die Standflächen sind meist nur plangeschliffen (was eher gegen eine Weißwasseraner Herkunft spricht), bei manchen Stücken zusätzlich poliert. Alle Stücke sind sehr sauber gearbeitet.


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Die Zuschreibung „Weißwasser“ geht auf Flemming und Pommerencke zurück.1 Deren fehlerhafte Angaben wurden von Peter von Brackel übernommen und finden sich inzwischen natürlich überall wieder, denn „der Brackel“ ist nun einmal zum Standard-Nachschlagewerk schlechthin geworden und wird es auch bleiben. 2 Es besteht jedoch der begründete Verdacht, daß die meisten „Weißwasseraner“ in anderen Hütten produziert wurden.

Zum Beispiel hat der Ingenieur für Glashüttentechnik Hans-Dieter Marschner in den 1950er Jahren – damals noch Glasmacher – in der Farbglashütte Reichenbach/ Sachsen mit den Glasmachern Willi Schmall und Walter König zusammengearbeitet. Er konnte sich erinnern, daß diese die sogenannten „Weißwasseraner“ Briefbeschwerer herstellten.

Im Bestand des Museums Schloß Klippenstein bei Radeberg in Sachsen befindet sich ein laut Karteikarte am 23.2.1957 dem Museum von „G. Müller, Radeberg“ geschenkter „Weißwasseraner“ Briefbeschwerer mit den Initialen „G.M.“ Die Bestandskarte gibt weiterhin an, daß die Initialen für „G. Müller“ stünden und daß es sich bei dem Briefbeschwerer um eine „Bischofswerdaer Glasmacherarbeit“ handele. Dazu würde auch passen, daß es Briefbeschwerer mit der Inschrift „Gruß aus Bischofswerda“ gibt; nachgewiesen sind inzwischen drei. (Brackel Nr. 62 enthält „Gruß aus Dresden“.)


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Einige „Weißwasseraner“ mit eingearbeiteten Namen wurden zum Ausgangspunkt für die Überlegung, mit Hilfe dieser Namen eine Herkunftsbestimmung zu versuchen. Zu diesem Zweck wurden möglichst viele davon zusammengetragen und mit den Einträgen in alten Telefonbüchern, Einwohnerverzeichnissen u.ä. verglichen. (Mit der Website www.verwandt.de geht das inzwischen wesentlich einfacher.) Nach Durchsicht aller in Frage kommenden Adreßbücher der Jahre 1900 bis 1945 stellte sich heraus, daß nur drei der Namen in und um Weißwasser zu finden sind; bis auf einen („Paul Schimming“) alle hingegen in dem Raum südlich der Autobahn Görlitz–Dresden. Im Falle des Briefbeschwerers mit dem Namen „E. Möhn“ (= Erich Möhn) konnte mit Hilfe des Händlers sogar eine direkte Beziehung zum ehemaligen Besitzer rekonstruiert und seine Herkunft aus der Umgebung von Bautzen ermittelt werden. Damit war zwar ein Ansatzpunkt für konkrete Nachforschungen gegeben, dennoch konnte eine Bestätigung nicht erbracht werden. Die Reichenbacher Quellen sind verschüttet; eine Anzeige in der Reichenbacher Heimatrundschau blieb leider ohne Resonanz.3 Für Bischofswerda hingegen sprechen zunächst einmal die Angaben zum oben erwähnten Briefbeschwerer.

Namen in „Weißwasseranern“:
- Alwin Borisch (Brackel Nr. 368)
- Paul Schimming (Privatsammlung)
- Elisabeth Eckardt (Brackel Nr. 366)
- Johann Salm (Privatsammlung)
- Otto Zach (Privatsammlung)
- Martha Oettel (Privatsammlung)
- E. Möhn 1921 (Privatsammlung)
- M. Fritsche (Brackel Nr. 371)
- E. Jannack (Stadtmuseum Cottbus)
- W. Große (Privatsammlung)

In Telefongesprächen wurden bestätigt:
- Alwin Borisch in Glashütte/ Sa. und Reichenbach,
- Paul Schimming in Crimmitschau,
- Elisabeth Eckardt in Sohland bei Reichenbach,
- Der Name Salm in Bautzen und Crimmitschau,
- E.(rich) Möhn in Sohland/ Spree, Angehörige in Bautzen.
Die Suche nach Otto Zach blieb in der Region ergebnislos.
Der Familienname Oettel kam und kommt in Weißwasser nicht vor, ist hingegen in Görlitz und südlich davon häufig.
Die Namen Fritsche, Jannack und Große gibt es in Weißwasser zwar, aber den Briefbeschwerern fehlt der zur Identifizierung unverzichtbare Vorname; außerdem sind sie sehr häufig und weit verbreitet, also auch in und um Görlitz, Bautzen und anderswo zu finden.

Fazit: Es scheint, als ob die „Weißwasseraner“ in Bischofswerda kreiert worden wären und sich ihr ansprechendes Design von da aus verbreitet hätte. Die meisten dieser Stücke scheinen aus Bischofswerda selbst zu stammen. (Fortsetzung folgt.)


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Anmerkungen
1 Flemming/ Pommerencke, Paperweights, S. (93).
2 Brackel, Paperweights, S. 44f.
3 Heimatrundschau [...] Reichenbach, S. 3.

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