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Muskau O./L. und die Glashütte Jämlitz

Dichtung und Klarheit

Von Bernd-Ingo Friedrich


Bad Muskau ist eine Kleinstadt in der nördlichen Oberlausitz mit rund 4.000 Einwohnern, umgeben von einem einzigartigen Landschaftspark mit einer Gesamtfläche von rund 8 Millionen Quadratmetern. Muskau wurde im 13. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt und besitzt nachweisbar seit 1452 das Stadtrecht. Sie war über Jahrhunderte die „Hauptstadt“ der Standesherrschaft Muskau und hatte verschiedene Besitzer. Der berühmteste unter ihnen war der Graf und spätere Fürst Hermann von Pückler-Muskau, Schöpfer der Parkanlagen, die der Stadt zu weltweiter Berühmtheit verhalfen. Das Parkensemble mit altem und neuem Schloß, Vorwerk, Orangerie und dem Kavalierhaus, gehört seit 2004 zum UNESCO-Welterbe. Als Industriestandort war und ist Muskau von untergeordneter Bedeutung. Die Muskauer Glashütten sind bereits in der Übersicht „Die Glasindustrie im Muskauer Faltenbogen“ aufgeführt.


huettenwerk jaemlitz bei muskau aus 200 meter um 1930


Die Jämlitzer Hütte verdient nicht nur als eine der ältesten der Oberlausitz hervorgehoben zu werden: Sie dürfte weltweit die einzige Glashütte sein, die von zwei Dichtern auf den Weg gebracht wurde. In der Leopold-Schefer-Soziobiographie von Bettina und Lars Clausen wird dazu die Vermutung geäußert: „Wieweit eine zweite Investition, die 1815 in Jämlitz gegründete Glashütte [...] auf Schefer (mit)zurückgeht, ist offen; Hermann Pücklers Einfall, wie Houwald [Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer, Neustadt an der Aisch 1981, S. 258] nahelegen könnte, ist es u. E. nicht.“ Für diese Vermutung sprechen auch die im Staatsfilialarchiv Bautzen aufbewahrten, die „Glashütte zu Jemlitz“ betreffenden Akten:

Pückler hielt sich im Anschluß an die Befreiungskriege 1813/14 von Frühjahr 1814 bis April 1815 in England auf; ein von Leopold Schefer eigenhändig verfaßtes „Notat zur Verpachtung der Glashütte“, wurde aber bereits am „24. Juny 1815“ unterzeichnet von „L. Schefer“ und dem Glasfaktor „Johann Ign. Seedel“, der 1767 schon die Hütte in Friedrichshain gegründet hatte. Der Pachtvertrag mit dem Datum "21. July 1815" ist von Hermann Graf von Pückler-Mußkau (!), Johann Ignatius Seedel und Joseph Maschke unterschrieben. Dem vorausgegangen war unter anderen ein Schreiben von „Pro Consul Weisflog“ an „Wohlgeborener Herr Generalinspector [Schefer]“, „Sagan den 2. July 1815“.

Der Muskauer Dichter und Komponist Leopold Schefer (1784-1862) war ein vielgelesener Biedermeier-Autor mit ausgeprägtem Sinn für praktische Dinge. Als Generalinspektor des Grafen Hermann von Pückler bewies er viel Geschick und Organisationstalent. Möglicherweise hat er sich noch nach seiner offiziellen Entlassung aus dem Dienst des Grafen 1819 um die Jämlitzer Hütte gekümmert, doch ob das Kürzel „L.S.“ unter einer Anlage zum Pachtvertrag mit dem Faktor Johann Georg Milde vom 12. Dez. 1827 für „Locus Sigilli“ oder „Leopold Schefer“ steht, muß offen bleiben.

Karl Weisflog (1770-1828) war der zweite an der Hüttengründung beteiligte Dichter. Er war Stadtrichter in Sagan (heute Zagan/ PL) und begann erst als Fünfzigjähriger mit dem Schreiben. In nur acht Jahren schuf er ein Werk von 12 Bänden mit insgesamt über 3000 Seiten. Seine Phantasiestücke in Hoffmanns Manier waren sehr erfolgreich, sie entsprachen den damaligen Leserererwartungen.

Die beiden Dichter waren befreundet und verkehrten einige Jahre lang auch persönlich miteinander. Hermann von Pückler wurde von Karl Weisflog gelegentlich juristisch beraten.


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