Geheime Verschlußsache
oder: Wie ich mich wieder einmal sehr ärgern mußte
Von biF
Ich unterhalte mich wieder einmal mit dem (hmhmhmhm), einem alten Glasmacher und langjährigen Leitungskader der sozialistischen Planwirtschaft. Der Mann liegt immerzu im Sterben – er hat’s „mit die Hüfte! und die Luft!“ – geht aber noch Pilze sammeln, bastelt unverdrossen mit piekfeiner Handschrift an seinen Memoiren und Abhandlungen über Glas und Gläsernes und erwirbt auf ausgedehnten Gängen über riesige Trödelmärkte – trotz „die Hüfte und die Luft“ – antike oder vermeintlich antike Gefäße, die ihm einige Händler, die er für vertrauenswürdig hält, händereibend als solche andrehen. Von ihm kann man viel über die Weißwasseraner Glasindustrie, und Anderes, erfahren, aber an irgend einem Punkt ist immer Schluß, bricht unweigerlich sein Hang zur Geheimniskrämerei durch. Zum Beispiel hütet er (sagt er, und ich glaub’s ihm auch) in einer nahezu vollständigen Sammlung aller jemals in Weißwasser und Umgebung gedruckten, hektographierten oder kopierten Warenkataloge die weltweit vermutlich einzigen erhalten gebliebenen Katalogblätter mit Arsall-Glas, aber im Original habe ich sie noch nicht zu sehen bekommen. Was er hat, das hat er. Amen. – Zum Abschluß unseres heutigen Gesprächs ärgert er mich – einen seit über zehn Jahren zwar nur mäßig sammelnden, doch intensiv zu diesen Gegenständen forschenden Liebhaber gläserner Kugeln – tatsächlich mit dem unvermittelt dahingeworfenen Satz: „Ich weiß, wo noch ganz viele alte Briefbeschwerer steh’n, aber wo, das verrat’ ich nicht!“ Ja, und ich weiß nur zu gut, daß es – leider – dabei bleiben wird ...

Lausitzer Briefbeschwerer in einer Vitrine der Festungsanlage – Museum Senftenberg
(25.11.2011)
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