Monographie 4
Fritz Heinzel, Weißwasser, 1910-1995
Aus Archivmaterial - von Bernd-Ingo Friedrich
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Mein Lebenslauf
Ich heiße Oswald Richard Fritz Heinzel, geboren am 31. Juli 1910 in Schreiberhau, Kreis Hirschberg in Schlesien, als 8. Kind.
Heinrich Heinzel Maurer.
Mutter Anna Heinzel geb. Mattern.
1924 absolvierte ich in Schreiberhau die Volksschule mit gutem Abschlußzeugnis.
Am 1. April 1924 trat ich in die Josephinenhütte Schreiberhau als Glasgraveurlehrling ein.
Dort erwarb ich mir gute Kenntnisse im Glasschnitt und bestand die Gesellenprüfung im März 1927 mit „gut“.
Als 1928 die Glasfabrik in Harrach (Neuwelt CSR) gute Graveure für die Nachbildung des Tafelservices der Kaiserin Maria Theresia von Österreich suchte, wechselte ich im April 1928 bis Ende Juli 1932 nach Neuwelt über. Dort lernte ich die „Böhmische Gravur“ bis zur Lobmeyer-Güte dazu.
Bei der Wirtschaftskrise 1932 mußte ich als Reichsdeutscher den Arbeitsplatz in der CSR verlassen.
Vom August bis Weihnachten 1932 war ich als Graveur in Jämlitzhütte tätig.
Dann folgte eine Arbeitslosenzeit mit Gelegenheitsarbeiten verschiedener Art.
Vom 1. September 1933 bis 30. November 1940 arbeitete ich überwiegend in Schliffgravur in den Glashüttenwerken Raetsch-Schier & Co. Muskau O.L.
Am 17. Oktober 1937 heiratete ich die Arbeiterin Gertrud Berndt in Lugknitz.
Am 3. Dezember 1940 wurde ich zur Wehrmacht eingezogen.
Vom 15. April 1945 bis 12. April 1947 war ich in Gefangenschaft.
Vom Mai bis September 1947 arbeitete ich in einer Spinnerei (Mühltroff Vogtl.). Dorthin war meine Frau mit unseren 3 Kindern evakuiert worden.
Ab September 1947 arbeitete ich als Graveur in der Glasveredlung Richter in Döbern.
Da mir Döbern keine Wohnung zuteilen konnte, fing ich im März 1948 in der Glasveredlung Georg Stange Weißwasser an.
Im September 1950 ging ich zum VEB Oberlausitzer Glaswerke Weißwasser.
Nach dem Tode des Kollegen Tag wurde ich von der OLG zum VEB Lehrkombinat Glas „Reinhold Greiner“ Weißwasser abgestellt. Auf eigenen Wunsch ging ich am 14. Februar 1955 zum VEB Lehrkombinat Abt. Glasgestaltung über und nehme zur Zeit an einem Meisterlehrgang teil.
Seit 1924 bin ich gewerkschaftlich organisiert. 1924 trat ich in die SAJ ein und 1926 in den Arbeiter- Turn- und Sportverein bis 1928. Von 1933 bis 1937 war ich in der SA. Ab 1950 in [der] DSF. Zur Zeit Unterkassierer DSF und FDGB sowie Gewerkschaftsgruppenorganisator. Bis zum Wohnungswechsel am 15.1.1956 war ich 2 Jahre Hausgemeinschaftsvorstand und Kassierer im Imkerverein. Durch unentgeltliche Sonderanfertigung von Glasgeschenken bekam ich die Ehrenurkunde und Aufbaunadel von Berlin. Durch 973 Aufbaustunden bei der AWG „Vorwärts“ Weißwasser erhielt ich die Aufbauurkunde von Weißwasser. Mein Leben gilt der Arbeit und der Übermittlung meiner Kenntnisse an die Jugend.
Weißwasser, den 11. März 1956.1

Fritz Heinzel schloß die Meisterprüfung im Dezember 1956 mit der Note „gut“ ab. Von 1957 bis 1980 arbeitete er als Graveurmeister in der Werkstatt für Glasgravur der VE OLG Weißwasser. Er starb am 30.11.1995.
In einer später niedergeschriebenen „Biographie“ lesen wir:
„1932 vermittelte mir der Altertums- und Kunsthändler Altmann aus Mittel-Schreiberhau Gravurarbeiten. Nennenswert sind die Porträtgravuren von Karl und Gerhard Hauptmann, Goethe, Schiller und andere Gravuren.“
In der Zeitschrift Glaswelt wurde 1958 Fritz Heinzels Porträtgravur Dominik Biemanns „auf einem facettierten Glasblock im Rechteckformat, Größe 13 x 8 cm“ ausführlich besprochen. Es heißt dort unter anderem: „Es ist nicht die erste Arbeit, mit der Heinzel sein Können beweist. Schon vordem hatte der Künstler, der nun in Weißwasser lebt, mit einer Porträtgravur Goethes und Gerhard Hauptmanns und weiter mit einem heiteren Zilleglas die Aufmerksamkeit weiter Fachkreise auf sich gelenkt.“ 2
Er engagierte sich - leider erfolglos - im Betrieb und in Fachzeitschriften für die Gravur, die in der DDR als Luxus und damit als nicht mehr zeitgemäß abgelehnt wurde. Die offizielle Geringschätzung hinderte die DDR-Funktionäre jedoch nicht daran, sich selbst den Luxus der Gravur zu gönnen. Auf Sonderarbeitsplätzen arbeiteten gut bezahlte Spezialisten für Partei und Regierung, wobei mitunter auch recht makabre Spezialitäten entstanden.

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Anmerkungen
1 Hs. Lebenslauf Fritz Heinzel, Archiv Glasmuseum Weißwasser.
2 „Ein Porträtschnitt in Glas, ausgeführt von Fritz Heinzel.“ In: Glaswelt. Monatsschrift für Glas. 2. Jahrgang, Heft 18, Dezember 1958. Stuttgart: Verlag A. W. Gentner 1958; S. 22f.
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